Als wir ein Jahr lang auf unser Examen gelernt haben, hing über unseren Schreibtischen eine Postkarte von einem Camper. Das war unser Sehnsuchtsort. Wir wussten, wenn wir dieses Examen bestehen, dann wollen wir mit einem Camper reisen. Lange haben wir überlegt, ob wir einen kaufen, haben uns aber (weil Winter in Deutschland und so) dann entschieden, ‘nur’ eine längere Reise mit einem Camper zu machen. Ein Monat durch England und Schottland. Dabei haben wir einige alte und neue Freunde besucht, ein bisschen gearbeitet und viel wunderschöne Natur entdeckt. Und wir haben das Camperlife gelebt, mit allem was dazugehört (inklusive Orkan ;)). Wir hams geliebt! Wir waren (bis auf einige mehrtägige Besuche bei Leuten) fast täglich an einem neuen Ort, ham die Flexibilität voll ausgenutzt und haben uns gemeinsam sowohl in einspurige Ministraßen als auch die fetten Autobahnen rund um London im Linksverkehr eingegrooved. Es war tatsächlich eine Reise, die der Postkartensehnsucht der Examenszeit auf jeden Fall gerecht wurde und die uns sehr bereichert hat – in verschiedener Hinsicht.
3 Situationen will ich an dieser Stelle exemplarisch schildern:
1. Bob und Mary Hopkins
Wir hatten sehr bewegende Begegnungen. Ob in Waverley Abbey, wo wir erlebt haben, wie Menschen in einer geistlichen WG Gastfreundschaft und Tagzeitengebete leben, oder an unseren alten FSJ-Stellen, oder bei einer Freundin im Auslandsjahr – wir wurden reich beschenkt durch Zeit mit tollen Menschen. Auf unserer Reise hatten wir auch die Ehre, ein paar Tage bei Bob und Mary Hopkins zu verbringen, zwei absoluten Legenden, die in ihrem Leben viele Gemeinden gegründet und Menschen in Gemeindegründung weitergebildet haben. Die beiden haben ein ganz weites Herz, viel Humor und obwohl sie mittlerweile älter sind haben sie sich eine große Neugier behalten. Wenn den jungen Leuten der Gottesdienst nicht verrückt genug ist, ziehen die beiden eben mit und gestalten was passendes…so flexibel und neugierig will ich auch mal sein, wenn ich schon in Rente bin!
2. Camperlife
Wenn man mit einem (in unserem Fall nur 10.000km alten) neuen Wohnmobil unterwegs ist, muss man sich so ein bisschen eingrooven. In den Linksverkehr, die Höhe des Gefährts (ja und wie viel inches sind jetzt nochmal 3 Meter ;)) und die eigenen Vorlieben (wie viel Neigung halten wir aus beim Schlafen und was geht gar nicht – zum Beispiel mit dem Kopf tiefer zu liegen als mit den Füßen :D). Wie oft müssen wir frisches Wasser holen und reicht uns die Gasflasche? Ist der Parkplatz hier sicher und wo duschen wir mal wieder ausgiebig? Und dann kommt da plötzlich der erste Orkan des Winters auf dich zugebraust, während du auf so ner schottischen Insel bist. Was ist denn das beste für ein Wohnmobil im Orkan? 😉 Und für uns? Ich sags mal so – bei 100km/h Wind schläft sichs nicht so ruhig im Camper. So gabs dann nach einer sehr kurzen Nacht und viel Überlegen (und ausprobieren, wies aufm Campingplatz wäre) die Entscheidung zu einer Nacht im Hotel und damit ging dann auch alles gut. Wir hams gefeiert, dieses kleine Abenteuerleben.
3. Die schottischen Highlands
Wer es schonmal gesehen hat weiß: die Farben in den schottischen Higlands sind der Hammer! So viele orange, rot, braun, Grüntöne – hammer! Auf einer schottischen Wanderung weiß man nie, was einen erwartet – es könnte die Sonne scheinen, oder ein plötzlicher Sturm ausbrechen, es könnte regnen was das Zeug hält – you never know. Auf unserer größten Wanderung hatten wir Glück – bis auf den Gipfel gabs nur Sonne und Wind. Und ganz viele Farne, Frösche, Moos und steile Wege. Natürlich hats aufm Runterweg dann kurz nen Platzregen gegeben, aber dafür halt auch nen Regenbogen mit Blick über die Highlands und einige Seen. Wir haben wiedermal gemerkt – Natur tut einfach gut. Und während wir in unserem Alltag bei schlechtem Wetter oft drinbleiben hab ich mir vorgenommen auch bei Regen wieder mehr rauszugehen – who cares…Kleidung trocknet. Und wer weiß, was man so cooles erlebt, wenn mans einfach macht.

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